|
Den Charakter eines Volkes erkennt man an seinen Verkehrsschildern. Deutschland zum Beispiel: Nach neuesten Untersuchungen bestehen 73% aller Verkehrsschilder hierzulande aus Ampeln und Tempo 30-Zonen-Schildern sowie Umleitungen. In unserem europäischen Nachbarland Frankreich hingegen bestimmen Hinweisschilder auf Brot- & Käseseminare (die sog. les tourisneps) das Straßenbild. Ganz anders sieht es aus, wenn wir einmal einen Blick über den großen Teich werfen. In den USA müssen alle Verkehrsschilder folgenden Zusatz tragen (nach Produkthaftungsgesetz): Dieses Schild dient ausschließlich der Verkehrsregelung. Schwangere und Frauen dürfen dieses Schild während der Inkubationszeit nicht verzehren. Bei cholesterinerhöhten Personen kann der Anblick dieses Schildes leichte Wadenkrämpfe auslösen. Alle anderen Verkehrsteilnehmer sind aufgerufen, davon abzusehen, dieses Schild länger als 5 Minuten in der Mikrowelle zu schmoren, da sonst giftige Dämpfe auftreten, die bei chronisch Unterbezahlten akuten Geldmangel bewirken können. Wir, der souveräne Staat von ... übernehmen keinerlei Haftung für mißbräuchlichen Gebrauch oder gebräuchlichen Mißbrauch oder Fehlbrauch jeder Art. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Stadtkämmerer. Dieser sinnvolle Hinweis überlappt für gewöhnlich das eigentliche Schild um ein Vielfaches.
Lassen sich aus diesen Beobachtungen für die meisten Länder eindeutige Volksprofile ableiten, so gibt es doch mitten im Norden Europas einen ganz besonderen Schlag Staat, der durch jegliches herkömmliche Schilder-Psychologie-Raster (SPR) fällt: Schweden.
Auf meiner letzten Vortragsreise kam ich im Frühjahr des Jahres auch durch diesen nördlichen Trabanten Europas, und stellte konsterniert fest, daß hier ganz besondere Regeln am Werke sind. Begleiten Sie mich daher auf einem Streifzug durch die Verkehrsflora und -fauna der ganz im Norden gelegenen Halbinsel mit Festlandanschluß.
(Anm.: Alle nachfolgenden Schilder/Grafiken stammen von der schwedischen ClipArt-Sammlung Provektor III und sind somit wahrhaftig schwedischen Ursprungs!)
Kaum verläßt man in Schweden die Stadtgrenzen einer Stadt, stößt man allenthalben auf den gutgemeinten flapsigen Kommentar Sie Elch, der einen zum schnellstmöglichen Weiterfahren ermuntern soll.
Der Schwede fährt morgens, mittags und abends vor den Mahlzeiten mit all seinen Haustieren raus vor die Stadt, um ihnen zu ermöglichen, ihre Geschäfte zu machen. In geschlossenen Ortschaften ist das nicht erlaubt. Da Millionen Schweden von Haustieren befallen sind, gleichzeitig aber natürlich die Natur geschont werden soll, werden spezielle Plätze eingerichtet, an denen die Hunde ihren Auslauf haben. Sie werden schlicht als Hundeparkplatz bezeichnet.
In ihrer fast schon sprichwörtlichen übergroßen Tierliebe gibt die schwedische Regierung selbst auf die kleinsten Kreaturen acht. Anderswo werden die Viecher gegessen, hier nagelt man sie auf Schilder: Ameisen. Obiges Schild weist blinden (politisch korrekt: anderssehenden) Ameisen den sicheren Weg über eine vielbefahrene Landstraße.
Da den Schweden die Natur so besonders am Herzen liegt, werden umweltverschandelnde Computergroßgiganten in den Wäldern nicht gerne gesehen. Daran krankt, nebenbei gesagt, das gesamte soziale System.
Auf erste ernstzunehmende Anzeichen neubeginnender Zivilisation stößt man bereits nach wenigen hundert Kilometern auf dem Waldweg, worauf dieses Zeichen hinweist. Anhänger mit Überhöhe müssen nach schwedischem Recht stets auf die zugelassene Maximalhöhe zusammengestaucht werden. Deswegen nennt man den Fahrer eines solchen Gefährts scherzhaft den Ziehharmonikamän.
Nähert sich der unerfahrene Turist endlich der nächstgelegenen Stadt, so wird er aufgefordert, rechtzeitig den Watschelgang einzulegen. Darunter verstehen die einheimischen Behörden den in Deutschland wegen des Pestrisikos aus dem Verkehr gezogenen 9. Gang.
Diese implizite Geschwindigkeitsbeschränkung gilt selbstverständlich nur in den Vorstädten. Im Zentrum muß der tempobewußte Schwede die vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit von 200 km/h einhalten, andersonst eine gehörige Strafe droht, die meist zwar vollhängt, aber nicht verstreckt wird.
Die schwedische Polizei ist bekannt dafür, Verkehrssünder heftig zur Kasse zu bitten. Dazu finden in einigen Stadtteilen regelmäßige Überpüfungen des Reifenprofils statt. Die nebenstehenden Schilder zeigen die erforderliche Mindesthöhe des Profils an; ist das aktuelle Reifenprofil niedriger, platzt der Reifen durch die ausgestreuten Nägel (Nagelprobe) auf. Nebenstehendes Schild weist auf eine Zone, die auch Fußgänger unbesorgt passieren können, die nur mit Sandalen und Badelatschen angetan sind.
In der eigentlichen Innenstadt angekommen, müssen die Kalender umgestellt werden. Die Einrichtung der Datumszone trifft besonders viele Touristen unvorbereitet, die mit falschen Vorstellungen und zu Veranstaltungen zu spät oder zu früh kommen, je nachdem, ob sie gerade den julianischen oder gregorianischen Kalender verwenden. Hier ist die schwedische Regierung aufgefordert, sich endlich den europäischen Gepflogenheiten anzupassen und einheitliche Kalender auf den Markt zu bringen.
|
 |
Rock- und Popkonzerte werden in Schweden auf englischsprachigen Plakaten (wie nebenstendem) gesondert ausgewiesen. Da viele Schweden jedoch trotz der flächendeckenden Einführung von McDonalds-Restaurants immer noch nicht gelernt haben, sich auf Englisch miteinander zu unterhalten, dienen diese Schilder allgemein nur zur Verschönerung des Stadtbildes.
Für alle Besucher der City, die doch rechtzeitig zum Konzert gefunden und nach der Veranstaltung richtig durchgeschwitzt sind, halten die Stadtväter eine besondere Aufmerksamkeit bereit: die Notduschen. Noch häufiger als Telefonzellen und Reifenhandlungen anzutreffen, stellen die Notduschen einen besonderen Triumph des schwedischen Sozialstaates dar. Sie leisten zudem hervorragende Dienste bei der Dekontamination nach Atomkriegen. Findige Wochenmarktforscher fanden außerdem heraus, daß sich diese Anlagen auch vorzüglich zum Abwaschen der frischgepflückten Blaubeeren eignen.
In den Notduschen selbst weist den Benutzern, die wegen des Wasserdampfes nichts mehr erkennen können, das Utschild den Weg zurück ins Freie.
Nachdem Schweden als eines der ersten Länder überhaupt die öffentliche Pornographie freigab, häuften sich die Anfragen interessierter Bürger nach gemütlichen Plätzen zum Kindervögeln. Diesem Wunsch wurde Rechnung getragen, als diese speziellen Stätten aus hygienischen Gründen im Vorraum der Notduschen eingerichtet wurden.
Die Schweden sind zu 10% Anhänger der freien apostolanischen Snapskirk, 25% glauben an den Weihnachtsmann, das Christentum bringt es immerhin noch auf 30%, doch die Hauptreligion hier im Norden ist der Automistmus, der von den deutschen Staatsgründern eingeschleppt wurde. Das wesentliche Medium dieser Konfession zum Erlösen der Gläubigen ist die sog. Wagandacht. Der Oberkompressor steigt dazu dreimal täglich auf den höchsten Fernsehturm und betet einen von der Kanzel runter, um seine Anhänger zu ermutigen, das tausendjährige skandinavisch-kultische Ritual des Autobekniens durchzuführen.
Überall in Stockholm stehen die Ikonen der Automisten. Sie zeigen entweder den GOtt VOlvo (von dem man sich allerdings kein Bildnis machen darf) oder seinen Fanalengel Saab, nach dem auch der autofreie Sonntag, der Saabat, benannt wurde.
In den dazugehörigen Kirchen, den sog. Autodromen, findet der arglose Besucher immer auch dieses vielsagende Heiligenbild, das die ehemalige Eineinigkeit der Gottwelt und die anschließende Spaltung in Gott und die Welt illustriert. Da muß jeder Autofahrer wenigstens einmal in seinem Leben durch.
Nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Schwede dieses Motto schwebt über der Stadt wie ein Damoklesschwert. An dieser Art ausgezeichneter Orte ist das Rauchen einer bestimmten Zigarette verboten. Diese muß aus dem Päckchen entfernt und dem Bereitschaftspolizisten zugeworfen werden.
Aus Gleichberechtigungsgründen werden auch Nichtraucher an dieser indirekten Form des Austausches Staat/ Bürger beteiligt. Sie müssen nämlich zwei Zigaretten ihrer Wahl abtreten. Kein netter Zug der Stadtverwaltung, aber aufgrund der Vermehrungsmöglichkeiten gesunder Nichtraucher, also Volkswirtschaftsschädiger, dringend geboten.
Wenn man keine Zigaretten mehr hat, muß man wieder aufs Land, um Nachschub zu organisieren. Schweden ist ein Land der klimatischen Extreme es gibt Orte, an denen es im Winter sehr sehr kalt wird, und dagegen wieder andere Gegenden, in denen es im Sommer ziemlich warm zu werden pflegt. Ganz besonders schlimm trifft es aber die Gebiete, die dazwischen liegen: die sog. Lumiden. Hier regnet es das ganze Jahr über Bindfäden. Als Folge davon werden die Bewohner depressiv, setzen sich draußen auf die Veranda auf die Treppen und beobachten angestrengt ihre Kotzkübelklos, wie die Toiletten hier liebevoll tituliert werden.
Zu den beliebtesten Pictogrammen der schwedischen Bevölkerung gehört sicherlich auch das duale Rolltreppensystem-Schild, das allen Passanten suggeriert, es könne nur aufwärts gehen. Andere Deutungstheoretiker gehen davon aus, daß hierbei vielmehr auf die nahegelegene Flipperhalle verwiesen wird.
Wie Sie sehen, hat Schweden mehr zu bieten als nur Könige, wackelige Regale und Knäckebrot (knäckbröd, wie der Schwede sagt & ißt). Neben der unabsehbaren Vielfalt des schwedischen Verkehrsschildangebots weiß nicht zuletzt auch die Gesetzesfülle zu überzeugen. So erließ Schwedens Karl Gustav erst kürzlich per Dekret das umstrittene Öfennichdöven-Gesetzesregulativ, also das mit Spannung erwartete Ofenverbot.

|
|