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Verfahrene Lage


Kiel (wir) – Die größte Blamage einer deutschen Marine seit 1990 zieht seit drei Wochen in Kiel weitere Kreise und die Öffentlichkeit der Marine-Oberen in ihren Bann. Das U-00, der modernste unter Wasser schwimmende, quartzbetriebene Atombunker der Welt hat dieser Tage auf Fahrt in Kiel „festgemacht”.
     
Ursprünglich sollte das U-Boot durch den Nordostseekanal in die Förde gleiten, verließ aber aufgrund eines bedauerlichen Mißverständnisses Ecke Kanalstraße/ Kastanienallee das Wasser und setzte seinen Weg unter Land fort. Der Kontakt riß abrupt ab, da das Funkkabel an den schroffen Straßenbelägen durchwetzte und die Verbindung seither verunmöglichte.
     Untergrub das Schiff mit seinen neuen Supermotoren die ersten Tage noch die Stadtautobahn in Richtung Nordmarksportfeld, um dann unerschrocken in die Eckernförder Straße einzubiegen, so verhedderte sich die Route in den nächsten Tagen schon ärger, als das Boot zahlreiche wichtige Wasser- und Kabelfernsehkabel durchtrennte. Seither sitzt auch die Bevölkerung in Kiel auf dem Trockenen, und die Stadtbehörden baten gestern alle Autofahrer, rechts ranzufahren und dem Boot freie Passage zu gewähren.
     Zuletzt gesehen wurde das Irrboot in der Gerhardstraße, als es auf den ansässigen Briefkasten zusteuerte, um nach Wochen postalischen Entzuges wieder Nachrichten von oben aus der Heimat zu bekommen.

Ein Bild des Grauens – U-00 auf Freundfahrt.
Wie mag es der Besatzung nach all den Wochen
entbehrungsreichen Ausharrens unter der Oberfläche
wohl gehen? Die Bevölkerung ist aufgerufen,
diese Stelle zu meiden.


Post – quo vadis?


Kiel (den) – Um die ständig sinkende Schalterauslastung und die durchschnittliche Umlaufzahl der Briefe zu erhöhen, hat die gelbe Post eine massive Offensive gefahren. Im Rahmen der Aktion „Gelbe Wochen – Jetzt geht aber die Post ab” setzt das Unternehmen im Kieler Raum die auf der vorletzten Betriebsratssitzung abgelehnten Maßnahmenkataloge um.
     
Unter dem Slogan „Post modern” versucht die AG Imagepflege. Zu den umfangreichen Neuerungen gehören beidseitig entnehmbare Briefe, die zweiseitig zu beleckende Briefmarke, fertige Brandsätze für Brief- und Paketbomben (jetzt ab 2,50 DM, nach Österreich 5,00 DM) und rechtzeitge Zustellung von Postkarten aus Wien.
     Die besonderste Innovation stellte der Vorstandssprecher Steffan Endung-Stolzgeschwellt vor: die Briefkästen erhalten vom 1.1., 15:23 Uhr eine völlig neue Farbgebung und Funktionalität. Im dualen Sytem werden in der Übergangszeit beide Syteme – nach dem Vorbild der Fernsprecher – nebeneinander installiert. Geleert werde freilich nur das neue Modell, um die Anlaufschwierigkeiten mit den traditionell verhafteten Kunden zu überwinden.
     Für die unter den Straßen Kiels fahrenden U-Boote hat das neue System besonders große Vorteile: die neuen anthrazitgrauen Kästen, die an die herkömmlichen gelben anmontiert werden, sind um 30-50 Zentimeter tiefergelegt (schließen aber oben optisch sauber ab) und ermöglichen den Crews so, die Post ohne Auftauchen zu erreichen – dieses Modell schont nicht nur die städtischen Grünflächen und vor allem die inzwischen doch arg ramponierten Bürgersteige.
     Ab ’97 werden unterhalb der weiterhin gültigen normalen Briefkästen kleine lustige pinke Briefkästen mit funny Mickey-Maus- Figuren in Michael-Jackson- Form angebracht.
     Noch ein Jahr später, so das Unternehmen, sei die Installation von Dackel- und Katzenkästen direkt auf Bodenhöhe projektiert.


     Über die Einführung von 250 Meter hohen Bedarfsbriefkästen mit Ampelsteuerung für vorbeifliegende Geschäftsreisende wird noch arg heiß diskutiert. Ameisen- und -bärenkästen wurden dagegen bereits im Vorfeld abgeschmettert.
     Andere Erklärungen für die Extraportion Kasten gehen davon aus, daß darin Holz oder Schwimmwesten gelagert werden. Auch versorge der zweite Kasten den ersten Kasten mit Strom, während der für ’97 geplante Kasten die Versorgung mit Wasser sorgen soll.
     Diverse Bürgerbewegungen sprechen hingegen davon, daß in diesem neuen Kasten eine Sofortentsorgung des anfallenden Briefmaterials durch den eingebauten Schredder erfolgt.
     Der Inhaber des nahen In-Kneipen-Restaurants „Colosseum” behauptet dahinzugehend, er würde täglich drei Pfund Pizza für den Örtlichen Postboten (ÖP) darin deponieren. Aber die Bezahlung sei allerdings weiterhin ausständig.

Der neue Kasten K 2000 – innovatives Design meets a Katze.
Beachten Sie vor allem den bisher nur allzuoft durch U-Boote zum Flickenteppich gemachten Bürgerweg.