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Der Börsenkurs –
ein praktischer Ratgeber für Einsteiger
von Frank Dacks


Für Ihre ersten Schritte auf dem internationalen Parkett möchte ich Ihnen aus meinem reichhaltigen Fundus ein paar praktische Ratschläge erteilen. Wer sie befolgt, wird blitzschnell glücklich und reich.
     Zunächst einige praktische Vokabeln; die Professionellen der Börse verwenden eine Unzahl von Fachtermini.
     Broker: die Brecher auf dem Ozean des internationalen Parketts. Sie drehen jeden Markt dreimal um, bevor sie einen ausgeben; recht trockene Gesellen, die den umherstreifenden Kredithaien und Debetwalen den Weg freimachen.
     Termingeschäfte: Broker A verkauft an Broker B ein bestimmtes Datum. Je höher das Datum, desto höher die Nachfrage, die an den Index verkuppelt ist, welcher durch das rege Angebot und die Interventionen der Notenbanken bestimmt wird. Die Notenbanken verkaufen jede Menge Partituren zu Spottpreisen, um den Fall der Kurse in den Baßbereich zu unterbinden. Geraten sie unter Druck, greifen sie zu sogenannten Wehrungs-Interventionen, nach denen nicht wenige Banken gestützt und vom Markt getragen werden müssen.
     Geldkurs: die Richtung, die eine Währungshüterin einschlägt, um Briefgelder über den sogenannten Sichtkurs in Devisen zu prolongieren.
     Zinsnachfrage: Der Markt reagiert sehr agil auf exogene Impulse der heimischen Investitionsgüternachfrageproduktion. Bei Störungen des sensiblen Gleichgewichts zwischen Zins und Nachfrage ergibt sich in der Regel ein Bedürfnis, das gedeckt werden muß. Wie bei allen Gütern möchten die Anleger vermehrt Zinsen kaufen, wenn diese steigen und somit eine Wertsteigerung erfahren. Ein tolles Gefühl, sage ich Ihnen.
     Inostmentfonds: Mit der erfolgten Wiederbefremdung der ehemals getrennten DDR wurden die Inwestmentfonds knapp, da die Nachfrage aus dem Osten Petitionsniveau erreichte. Der Staat reagierte wie erwartet.
     Bouillabaisse: Bei Pleiten müssen Firmen diese Suppe auslöffeln. Die Kurse brechen im Gefolge ins Uferlose ein und werden anschließend zur Strafe festgesetzt (sog. starrer Wechselkurs ohne swing-out). Trotzdem passiert es immer mal wieder, daß die Notierungen abbrokerln.
     Harter Mann: Taktik, die immer dann angewendet wird, wenn das Businessmark hart wird.
     Anleger: Das sind die Leute, die sich mit den Brokern anlegen, und zwar an Pier 15, Donnerstag abends 16 Uhr, bitte saubere Lappen mitbringen.

Der unerfahrene Anleger spielt mit seinem Geld
wie mit seinem Leben. Er weiß von nichts.
In zwanzig Sekunden wird er sich bücken.

Nach jedem erfolgreichen Deal zieht sich ein Broker kräftig an der Krawatte und schaut bemüht ins Telephon.

     Scheintot: Fachbegriff für eine Währung im Verfall, die nur noch Münzen hervorbringend in den lustigen Umlauf einfließen läßt. Bestes Merkmal: beim Bezahlen mit einem toten Schein lacht der Bäcker Ihnen hohn ins Gesicht und zündet sich damit eine Kerze an. Nicht zu verwechseln ist der scheintote Schein mit einem praktisch toten Totenschein, der nicht nur auf dem Papier Scheintöte testiert, sondern ausgestellt wird. Der Bäcker wird anschließend aus dem Verkehr gezogen wegen Verdachts auf Yuggs und Dollarei.
     Liquidität: Wegen des Stresses auf dem internationalen Parkett vor allem bei Brokern sehr beliebte Runtermacher. Besteht aus Zweiteilen und Dreiteilen. Wenn das Geschäft im Fluß ist, hilft nur noch ein konzentrierter Act der international finance kommunity korp. (FKK) mit Sitz in Sankt Blasen.
     Holding (the line): Das berühmte Zwischendurch für nebenher. Mehrere Broker treffen sich in der ortseigenen Kantine und ziehen voll einen durch – den Kakao. Dieser, im Regelfall der Betriebsdümmste oder -schlauste, fühlt sich anschließend ins Betriebsklima ein. Im Zweifelsfall ist es auch das Wartenlassen des Kunden an der Strippe («internationales Drogenkartell beim Bäcker»). In Mißbrauchsfällen kommt es zum «broker hearted»-Syndrom – die Betroffenen sind stoned, manchmal sogar rolling stoned, wenn sie vorher zu tief ins Magazin geguckt haben.

Doch zurück zum Thema. Bedenken Sie insbesondere bei allem, was Sie tun, an das Stackelbergsche Varifianzgesetz §1, Absatz: «Wenn auf n-1 Märkten Gleichgewicht herrscht, herrscht Gleichgewicht auch auf dem Entenmarkt.» D.h. Sie müssen immer auf allen n-1 internationalen Marktparketten den Drahtseilakt der Balance vollziehen, bevor Sie entlich in den Entenmarkt eindringen.

Der «Step-by-Schritt-approach to more wealth and businessincomereduced textfree atmosfear»™:
Schritt 1: Sie besorgen sich spekulative 10.000 Mark durch geschickte Operationen an der Börse («longfinger-method»).
Schritt 2: Sie begleichen die dringendsten Rechnungen zum 1.12. per Durchschuß und überweisen den Rest an mich (für den guten Tip).
Schritt 3: Sie besorgen sich wiederum 5.000 DM durch Roulettespielen (immer auf die Kleinen setzen).
Schritt 4: Sie wollen Ihr Vermögen garantiert risikosicher und ohne viel Aufwand mehren. Lassen Sie sich zu einem guten Finanzberatermakler beraten, hören Sie auf seine Ratschläge und geben Sie mir seine Adresse, falls Sie Glück gehabt haben sollten.

Viel Spaß mit Ihrer millionsten Mark. Denken Sie ruhig auch mal daran, die anderen 999.999 Mark zu verdienen.