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Neues Modell zur Behebung
der Mietproblematik ein voller Erfolg
Ist die „Meta-Miete“ das Ende all unserer Sorgen?


Bad Sobelhobern (lbS) – Der letzte Rechenschaftsbericht des Ministeriums für An- und Abbau malt ein düsteres Bild der Wohnungssituation in Deutschland. Nach ersten Schätzungen des Marktforschungs-Instituts ReTep muß mindestens ein Drittel aller Deutschen auf der Straße oder unter freiem Himmel kampieren.
     Selbst diejenigen, die in befestigten vier Wänden wohnen, erleben eine sich ständig verschärfende Lage in Form explodierender Mietpreise. Die Verbraucherorganisationen und Mieterbünde e.V. kämpfen einen heroischen (da aussichtslosen) Kampf gegen die unzumutbare Belastung des deutschen Normalverdieners, doch selbst ihr bislang scheinbar größter Erfolg – die Durchsetzung des allgemeinverbindlichen, stabilen Mietspiegels – wird von den Wohnungseigentümern fortwährend unterlaufen, wie ein Sprecher der Regierung kleinlaut eingestand.

     Doch jetzt ist endlich ein Silberstreif am Horizont in Sicht: Ein findiger Bütelsloher Geschäftsmann ist auf die ebenso einfache wie simple Lösung aller Probleme gestoßen. Sein Unternehmen „Rent a Rent” (R.a.R.) floriert in bislang ungemahntem Ausmaß. Seine brillante Idee: Da sich die meisten Leute die Miete für eine Wohnung nicht mehr komplett und auf einmal leisten können, haben sie nun die Möglichkeit, sich statt der Miete auf eine feste Immobilie wenigstens eine Miete auf eine Miete zu mieten. Das mag auf den ersten Blick etwas ungewohnt klingen, macht sich aber schon nach kurzer Zeit bezahlt. So können sich Menschen, die sich bisher mit einem winzigen Zimmer begnügen mußten, jetzt sogar ohne Mehrkosten die Miete des Mietaufwandes einer stolzen Zehn-Zimmer-Villa (mit Swimmingpool, Privathubschrauberlandeplatz und automatischer Geldpresse im Keller) genehmigen.
     Der Initiator des Projektes, Wilhelm Notnagel, Spitzname „Mietloaf”, erzählte mir in einem noblen Frankfurter Nobelhotel ein wenig aus den Anfängen seiner Firma:

„Ja, also, begonnen hatte alles, als ich und mein leiblicher Stiefbruder ein wenig knapp bei Kasse waren und uns unsere Suche nach einträglichen Geschäftsideen nach Skandinavien verschlug. In einem kleinen Dorf bei Oslohavensby richteten wir nach alter Sitte einen Schlittenhundverleih ein, der jedoch bereits nach kurzer Zeit den vereisten Bach runterging, da wir nicht berücksichtigt hatten, daß die Erfindung des Motors an den Wikingern des zwanzigsten Jahrhunderts leider auch nicht spurlos vorübergefahren war – sie zuckelten lieber mit ihren bekuften Benzinkutschen durch die schneebestäubten Lande als unsere 1a-Rauhaar-Teckel-Gespanne zu verwenden. Tja, Künstlerpech.

Immer mehr, immer schneller, immer teurer: Dieses neumodische Motto unserer Tage spiegelt sich auch im häuslichen Bereich wider.

Ein Haus in Schweden.
Beachten Sie die roten Dachschindeln und das Furnier.

     Davon ließen wir uns natürlich nicht entmutigen, denn die norwegische Fauna und Flora war reich an Tieren, die nur auf eine Vermarktung unsererseits harrten. Wir schnappten uns ein paar besonders stattliche Exemplare und eröffneten so alsbald unseren Elchverleih, den wir – des internationalen Flairs wegen – unter dem englischen Titel „Rent a Rentier” zu betreiben beabsichtigten und der sich sicherlich flugs rentieren würde. Leider fror uns mitten im Pinseln des Türschildes die Farbe im Topf fest, so daß wir es vorläufig bei „Rent a Rent     ” belassen mußten. Von da bis zur endgültigen Verwirklichung unseres heutigen Konzerns war es natürlich nur noch ein kleiner Schritt. Wie immer war also auch in diesem Fall der Zufall der eigentliche Innovator menschlichen Lebens... Von diesem heiteren Mißverständnis zeugen übrigens noch heute die beiden Geweihe auf gelb-blauem Grund vor einem IKEA-Regal in unserem Firmenwappen.”

     Schnell ging es nun mit dem Notnagelschen Imperium aufwärts, denn die Aussicht auf endlich wieder erschwingliche Mieten trieb die Kundschaft scharenweise in die Arme des sympathischen Mitt-Vierzehners. Die eifrige Fachpresse hob den passenden Begriff für die geniale Erfindung aus der Traufe: die „Meta-Miete” war geboren. Unter dem Slogan: «Meta-Miete – damit Ihr Miet-Meter unten bleibt» betreibt R.a.R. seine aggressive Offenmarktpolitik.
     Ein Kunde, ein sog. „Rent–ner”, beschrieb mir seine momentane Gefühlslage wie folgt: „Ich war schon am Verzweifeln, praktisch am Ende... keine Brücke war mir noch gut genug, mein Essen klaubte ich mir aus dem naheligenden Angebot des Edeka-Marktes zusammen. Da las ich diese beidseitigen, einspaltigen Zeitungsanzeigen «Mieten wie GOtt Becker in Monaco» und so... Seitdem hat sich mein Leben von Grund auf renoviert – stellen Sie sich bloß vor: Für nur 550 Mark im Monat habe ich mir die Miete (kalt) eines dreistöckigen Bungalows auf den Schrapnellen gesichert. Ein tolles Gefühl, so ein unabhängiger Meta-Hausbesitzer zu sein... denn die Vorteile liegen auf der Hand: ich muß nicht in dem Haus wohnen und mich auch sonst nicht um das Gebäude kümmern, mir fallen keine zusätzlichen Extranebenkosten für Instandsetzung usw. an... mit der normalen Miet-Mietzahlung bin ich alle meine Verpflichtungen bereits los...”
     Wir dürfen gespannt sein, welcher Geniestreich den Notnägeln aus Bütelsloh als nächstes in die Finger gerät. Auf jeden Fall berichtet man sich bereits, daß den Brüdern bald das Bundesspitzenverdienstkreuz für ihre besonderen Einkünfte verliehen werden soll.