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Self Fuelfilling Profits Inc. (SFP) erfüllt jetzt auch Deutschland


Esson Valdez (BT) – Die multinationale Gesellschaft SFP mit Hochsitz im schwäbischen Indien launcht ihre schon in Asien sehr erfolgreiche Franchising-Kette jetzt auch in good ol’ Deutschland.
     
Nach dem Vorbild westeuropäischer Tankstellenketten hat SFP vor, ein vergleichbares Netz von Servicesuppliern auch in der Bundesrepublik zu installieren. Die SFP versteht sich von jeher als spiritueller Dienstleister, der an den Markt gegangen ist, um der grassierenden Selbstlosigkeit unter den Menschen abzuhelfen.
     NoNewsToday (NNT) sprach mit der Firmeninstanze Brahman Abmahn (BA) über die Pläne und Absichten des Unternehmens in näherer Zukunft.

Die erste Filliale der SFP in Kiel. Wenig Publikumsverkehr.

NNT: Meister Abmahn, man hört ja Erstaunliches. Sie haben Schuhgröße 48, eine Siemens-Waschmaschine und vor, in Deutschland das Selbst zu vertreiben. Was sagen Sie dazu?
BA: Wir tun durch Nichtstun.
NNT: Für uns linkshirndominante Abendländer ist Ihr Konzept des Selbst doch noch etwas fremd. Könnten Sie unseren Lesern bitte kurz erklären, worum bei SFP eigentlich konkret geht?
BA: Ich komme hier in leichte Erklärungsnot. Dennoch möchte ich sie lindern. Unser Produkt – nebenbei ein Antreibstoff – ist verflüssigtes Menschsein, das in Kanistern zu 1,98/Liter abgegeben wird.
NNT: Ähm... ja... ähm...
BA: Oh, ich sehe schon, ein Unwissender. Ich erkläre Ihnen das. Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit Ihrem Auto an einer handelsüblichen Tankstelle. Sie wollen Benzin nachtanken. Was machen Sie also...?
NNT (schulterzuckend): Öh... Sagen Sie’s mir.
BA: Mit dem größten Vergnügen. Wie schon Vushta sagt: Weisheit wem Weisheit gegeben. Also, Sie steigen aus.
NNT (guckt ungläubig)
BA: Dochdoch, Sie steigen aus. Und genau an dieser Stelle setzt die Angst ein: Eigentlich müßten Sie jetzt selbst zur Zapfsäule gehen, die Zapfpistole in den Einfüllstutzen drücken und das stinkende Gold in den Tank sprudeln lassen. Aber wer hat heutzutage dazu schon die Courage. Also bleibt nichts anderes übrig, Sie müssen Ihrer Panik einigermaßen Herr werden und den Tankwart bitten, die Prozedur für Sie auszuführen.
NNT: Wem sagen Sie das...
BA: Und woran liegt das? Na, an dem mangelnden Selbstbewußtsein der Menschen im allgemeinen. Und genau hier setzt die Self Fuelfilling Profits an. Wir sind eine Art kommerzielle, weltumspannende Selbsthilfegruppe der anderen Art.
NNT: Ah ja?
BA: Ja. Bei uns tanken Sie selbst. Keiner da, der Ihnen hilft, keiner nimmt Ihnen die Dreckarbeit ab, das ist allein Ihre Sache. Sie sind dafür verantwortlich, was Sie aus Ihrem Leben machen. Also tanken Sie auch gefälligst Selbst!


NNT: Wie stelle ich mir das jetzt praktisch vor – ich komme morgens zur Schule und dann...? Mit anderen Worten: Wenn ich zu Ihren Zweigstellen gehe, was erwartet mich da?
BA: Es ist ja bekanntlich heutzutage viel zu wenig bekannt, daß man sich selbst am meisten im Wege steht. Bei uns wird selbst das Selbst großgeschrieben. Wir füllen Sie ab mit höchstwertigem, handverlesenen Selbst aus den indischen Wesirbrunnen.
NNT: Und die Konkurrenz? Ich meine, ich hab ja Selbst genug.
BA: Da sind wir anderer Meinung. Wir fürchten keine Konkurrenz. Wir lassen uns den Buddha nicht vom Brot nehmen von den dilletantischen Mitkonkurrenten wie Zauberern, Zigeunern und Sekten-TV-Poreachern.
NNT: Und wie sehen Sie das Problem der zunehmend um sich greifenden SB-Märkte? Die springen doch voll in Ihre Nische rein...
BA: Hä? Wie jetzt „SB”? Was ist das denn fürn Schweinkram??
NNT: Sie kennen SB-Märkte nicht? „Weisheit wem Weisheit gegeben”, wie?
BA: Bin ich der Weise Riese? Wächst mir Gras aus der Tasche? Bin ich Jesus? Was zum Teufel sind „SB-Märkte”?!?
NNT: Na gut, dann wollen wir mal nicht so sein. Bei dem grassierenden Phänomen dieser ominösen SB-Märkte handelt es sich um Geschäftsräume, in denen das Selbst der Kunden bedient wird – Kundenaktive Selbstbedienung ist die Minimalforderung. Sie wissen ja, wie das so geht... Sie gehen in einen herkömmlichen Warenladen, um Butter für die Fahrt einzukaufen. Sie betreten voller Angstschweiß die Räumlichkeiten des Geschäfts, wagen sich kaum umzublicken und wanken stotternd zum Supermarktwart, der Ihnen die Ware blasierten Grinsens in den Korb wirft. Wie peinlich. Sie würden gerne vor Scham im Boden versinken, wenn Sie nur einen hätten.
BA: Oh ja, da sagen Sie was.
NNT: Nun, das war früher. Früher hatten wir auch mal einen Kaiser. Wenn Sie heute hingegen einen SB-Markt betreten, wird Ihr unterentwickeltes Selbst aldiweil voll bedient. Für 2,45 die 3-Liter-Flasche kriegen Sie frisches Selbst, steingebrannt aus dem Märkischen. So einfach geht das.
BA (wutentbrannt): Das ist ja eine unerhörte Ferkelei auf dem internationalen Parkett! Davon hat uns keiner was gesagt!! Dumpingpreise, das!! Die werden noch von uns hören! SB-Märkte! Phhh, da lachen ja die Hühner...
NNT: Nicht ganz – Hühner sind dort eher tot. Übrigens für nur 3,88 das Hühnchen mit drei Beinen. Und für 4,95 der dreieiige Hahn.

NNT (li.) im Gespräch mit dem Selbsternannten B. Abmahn

BA: Bah! Der Weise tut durch Nicht-Huhn, sagt schon Konfusius. Bei uns sind Schweine nämlich die heiligen Kühe.
NNT: Da kräht doch kein Hahn mehr nach...
BA: Sag ich doch!
NNT: Nein, haben Sie nicht!
BA: Doch, hab ich wohl!
NNT: Wir dem auch sei. Wir wollen hier doch nicht wie die Kleinkinder rumhühnern.
BA (weinerlich): Und was machen wir jetzt mit den 347 bereits in Betrieb gegangenen Selbst-Tankställen...? Wir sind am Ende...
NNT: Aber Sie wissen ja: jedes Ende ist zugleich auch ein echtes Fiasko. Ich wünsche Ihnen auch weiterhin so viel Erfolg wie bisher.