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Gut & neu – Schnäppchen im Krankheitsregal



Wie immer im Herbst stellen die großen Krankheitserreger auf der INTERSchnupfen in Bad Keuchingen ihre neuesten Kreationen der interessierten Öffentlichkeit vor. Auffällig war dieses Jahr die hohe Spezialisierung der Branche, die maßgeschneidert für verschiedene Berufsbilder und den Hausgebraucher in nie dagewesener Vielfalt Krankheiten synthetisierten. Exklusiv in SpiegelWelt haben führende Krankmacher ihre Reagenzgläser für uns geöffnet – als sneak preview.
     Endlich auch für den Massenmarkt und den kleinen Geldbeutelgeist erhältlich ist die bislang nur gebunden lieferbare Lindakrankheit, eine vitaminfreie Spezialzüchtung aus den holländischen Niederlanden. Sie stellt sich ein bei normalem RTL-Mißbrauch und schlechtem Atem. Sie wird von jetzt ab in Mini-Mol gemessen und ist hochansteckend, legt sich allerdings mit der Gewöhnung wieder, so daß man immer höhere Dosen nehmen muß, um den Kick zu erhalten.


     Mit einem besonderen Leckerbissen für das zahlungskräftige Klientel der Reifenhändlerzunft wartete der Bad Bremsklotzer Hersteller Sanslair auf: die Profilneurose greift bei jedem Wetter auch die abgehärtetetsten Händlerpersonen an. „Ich laufe auch bei Schnee und Eis”, „Mann, bin ich breit” oder „ich bin der Allwettermann mit den locker leichten Alu-Lamellen – fühl doch mal, Küken...” gehören von nun an zum festen Sprachschatz des Infizierten. Nicht nur am Morgen danach, denn den hatten wir ja schon, fühlen sich die Patienten dann wie auf den Schlauch getreten und dazu noch wie gerädert.
     Für besonders betuchte Neureiche bietet der kleine feine Anbieter von Luxusunpäßlichkeiten – Bett, Lägerig & Sohn – im übrigen eine besondere Sufferänität für den Nachmittag zwischendurch. Die Geldallergie macht auch vor Gold und Kreditkarten nicht halt. Da die Heilung ungemein kostspielig ist – die Kosten belaufen sich immer mindestens auf das Doppelte des Bruttoeinkommens des leidenden Patienten und erreichen durchschnittlich die Höhe des Marterhorns –, ist der Patient mit einem Schlag kuriert und kann wieder ganz unten bei den billigen Volkskrankheiten wie Grippe und Heususeln anfangen. Zu den angenehmeren Nebenwirkungen gehört der Spruch „Armut adelt”, der ohne Indikation verläuft.

Lesen Sie im nächsten Heft die Geschichte des kleinen Ferkel-Tuberkels.


Was ist eigentlich...
Das NoNewsToday-Lexikon zum Ausschneiden, Einkleben und Sammeln

Narkose: Vor einer jeden Operation Typ B (nach Nierenheim) wird der Hospitalclown in den OP bestellt, wo er alle Beteiligten einmal ganz herzlich herzt und streichelt und liebkost, um ihnen die Furcht vor der Operation auszutreiben. Zur Erheiterung greift er auch während der Behandlung selbst mal zum Skalpell und schneidet dem Patienten Grimassen.

Inkubationszeit: Dieses ist eine Kenngröße, die für die meisten gesunden Menschen gleich Null ist. Nur einige wenige Infizierte sind Inkuba positiv und versuchen meist in Selbsthilfe, den Fortschritt der Krankheit aufzuhalten, indem sie das amerikanische Festland aufsuchen. Gemessen in Low-Fidelity.