Zur Startseite Über uns Satiren / Einzeltexte Schiefe Briefe Links Gästebuch Impressum

Titelseite

Kultur

Medien

Wissenschaft


   Am grünen Tisch
   Wachstum nimmt zu
   Medizin a.d. Steckdose
   Medikam-Ente d. Woche
   Hut ab!
   Schnäppchen im Krank.
   Top 7-Illness-Charts
   Die Ethik-Ecke

Aktuelles

Technik

Politik

Unterhaltung

Lokales & Sport

Wirtschaft

Leserecke

No News Today - die einzig wahre Zeitung!



Von unserem Feuilletonisten Stefan Anton Klaus

Unser westliches religiöses Fundament wurzelt im Apfel. Man könnte fast meinen, am Anfang sei der Apfel gewesen, nicht das Wort. Im Paradies gab es nur Äpfel, Birnen und zwei dicke Pflaumen. Letztere dienten nicht der Ernährung, sondern zur Dekoration. Die Birnen sollten erst später in der Weltgeschichte zu weiteren Katastrophen Anlaß geben. Die Äpfel hingegen sind ein besonderes Obst.
   «Apfel, Apfel an der Wand / Du bist meine ganze Schand» heißt es schon im volkstümlichen Lied «Eva Iter».
   Das ursprünglich vom Gott erlassene Apfelverbot wurde also schon seit jeher sträflich mißachtet. Es liegt in der menschlichen Natur, so zeigt es die Geschichte immer wieder, unsere kleinen pausbäckigen kugelrunden schmackhaften süßen Mitbewohner zu verfüttern, verspeisen, verfolgen, vertreiben (Apfelhändler!) etc. Doch kennen wir sie wirklich, unsere Schalen-Freunde? Um dem Leser in dieser besinnlichen Weihnachtszeit seine eigenen Ursprünge verständlich werden zu lassen, lassen wir die Geschichte der ältesten Bewohner dieses Planeten einmal Revue passieren.
   Äpfel wachsen nicht einfach an den Bäumen, wie kleine Kinder gerne glauben gemacht werden. Die heutige Forschungswissenschaft hat immer wieder gezeigt, daß Äpfel die Früchte des Chaos sind. Sie dienen den berühmten Philologenkönigen Mandelbrot und Feigenbaum als Symbol und Modell der fraktalen Macht. Das Apfelmännchen ist fast schon sprichwörtlich geworden; als Derivat mathematischer Prozesse kann von einer natürlichen Genese keine Rede sein.
   Äpfel werden also regelrecht konstruiert und bewußt verführerisch fabriziert. Wenn ein Apfel fertiggestellt wurde, so beginnt er selbst, den nächsten Apfelsohn zu planen und in Produktion zu geben.

Schaut man sich dieses Schein- und Kernobst unter dem Teleskop an, so erkennt man nämlich seine selbstähnlich-rekursive Gestalt. Das, was auf den ersten Blick wie Blätter und Stengel aussieht, entpuppt sich bei Hinblicken als ein Haufen kleiner Androgyner, die um einen apfelrunden Tisch sitzen und auf einem Stück weißen Millimeterpapiers die Skizze des nächsten Apfels (des Sukzessors) dahinskribbeln.
Geht man mit einem Feldstecherteleskop noch näher an das dabei zum Einsatz kommende Schreibgerät (den sog. „Apfelstift”) heran, so sehen wir, daß die Augen dieses putzigen Gesellen ebenfalls Apfelform besitzen. Dreht man das Teleskop um, so erkennt man dieses Detail besonders metamorphisch deutlich.
   Das schwarze im Auge des Stiftes nennt sich „Kerngehäuse”, da wir uns im Maßstab langsam dem subatomaren Bereich nähern, in dem Kerne eine Rolle zu spielen beginnen. Sie sind wie alle unteilbaren Teilchen teilbar und als solche ganz natürlich fraktal.
   Das Phänomen der Selbstähnlichkeit ist nicht nur auf den Apfelbereich beschränkt, sondern findet sich auch im richtigen Leben wieder. Sie können das selbst an einem ganz einfachen Experiment nachvollziehen: Schauen Sie auf Ihr Paßbild – es ist Ihnen mehr oder weniger ähnlich, obwohl es kleiner ist als Sie und doch nicht Sie selbst.
   Mit einer noch größeren, auf das Kerngehäuse gerichteten, Rasterelektronenfernröhre wird schnell klar, daß auch im vorerst kleinsten Beobachtbaren immer wieder der Apfel auftaucht. In unserem Beispiel finden wir im Gehäuse folgendes Bild, das treffend den üblichen Weihnachtsrummel darstellt.


   In der Einkaufstüte der rennenden Frau befindet sich ein Kilo Äpfel Handelsklasse A (wie Apfel). Der dritte von links (nicht sichtbar) ist der Ursprungsapfel, in dem sich all dies und die ganze allegorische Geschichte der Menschheit abspielt.