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Peter Marwitz Esmarchstr. 64 2300 Kiel 1
An den
Senator für Verkehr und Betriebe
Postfach
W-1000 Berlin
Kiel, den 25.10.91
Sehr geehrter Herr Senator!
Ich wohne zwar inzwischen in der Fördestadt Kiel (Schleswig-Holstein), doch in meinem Herzen bin ich immer ein Berliner geblieben, da ich in dieser Stadt die schönsten Jahre meiner Kindheit erlebte. Deswegen nehme ich auch weiterhin regen Anteil an dem Werdegang unserer Hauptstadt.
Natürlich habe ich mich - wie wir alle - sehr gefreut, als die Wiedervereinigung endlich Realität wurde und damit das alte SED-Regime in die Wüste geschickt wurde (bzw. in die sibirische Tundra). Und daß damit auch gewisse straßenbauliche Namensänderungen unumgänglich wurden - wer könnte das besser verstehen als ich.
Doch mit großem Verwundern mußte ich kürzlich von einem Berliner Freund erfahren, daß im Zuge dieser Flurbereinigungsmaßnahme sogar die U-Bahn-Station "Frankfurter Tor" dran glauben mußte und nun "Rathaus Friedrichshain" heißt. Ja, warum denn dies?!?
Ich habe diese Problematik mal in meiner Stammtischrunde durchdiskutiert, und wir kamen zu folgenden zwei Erklärungsansätzen für dieses Phänomen:
(1) Die übernächste Station heißt "Frankfurter Allee" und damit ergäben sich schwerstwiegende Verwechslungsgefahren, insbesondere für ortsfremde Besucher, die sich in dieser Stadt - ob der Größe - eh kaum zurechtfinden. Da Berlin ja bekanntlich extrem fremdenfreundlich ist, mußte das "Frankfurter Tor" dran glauben.
(2) Durch das "Frankfurter Tor" wird der Bürger unangenehmst an die Ex-DDR-Stadt "Frankfurt/Oder" erinnert - und solche Assoziationen wollen wir doch alle nicht...
Wie dem auch sei - es bleibt mir schleierhaft, warum Sie wenn das "Tor" schon unbedingt umbenannt werden mußte - sich nicht wenigstens ein Beispiel an Boris und Steffi genommen haben. Will sagen: Warum wurde die entsprechende U-Bahn-Station nicht einfach von einer großen, bekannten, deutschen, hier nicht näher genannten Firma gesponsort? Schlußendlich sind Ebel und Opel doch auch nur Dank unserer Tennis-Helden so berühmt und erfolgreich. Und bedenken Sie: all das viele Geld, daß die Stadtverwaltung damit urplötzlich wieder im Säckel hätte. So eine "Siemens von Nixdorf-Allee" das macht doch was her, oder?
Aber nein es mußte ja ausgerechnet der alte Name eines alten SED-Rathauses sein, der das vertraute "Frankfurter Tor" ersetzt. Dabei gibt es doch so viele schöne, solide, urdeutsche Straßennamen, die man stattdessen hätte wählen können: "Feld-Weg", "Sack-Gasse", "Einbahn-Straße" (nach dem leider totgeschwiegenen deutschen Lyriker und Philosoph Josef Einbahn, 18231898) oder "Verkehrs-Insel" wären alles gescheite Alternativen gewesen.
Nun ja, so ist das Leben eben. Aber nehmen Sie diesen Brief bitte als Ausdruck meines äußersten Erstaunens zur Kenntnis.
Mit freundlichen Grüßen...
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