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Eßbare Videobänder

Bordell auf Rädern

52 Adventssonntage

Lange Leitung (T.kom)

Briefe 16.10.91 – 26.11.91

3.12.91 – 19.1.92


   Brief an Ferrero
   Brief an die Grünen
   Brief an FDP /CDU/SPD
   Brief ARD (Lottoshow)
   Brief Hermes Arrznei
   Brief Verkehrsbetriebe
   Brief Procter & Gamble
   Brief Pelzschloß Dmoch
   Brief an Teekanne

27.1.92 – 28.9.92

4.1.93 – 1.11.94

7.11.94 – heute

Texte aus dem Buch

>> Letztes Update


Sehr geehrte Damen und Herren,

seit einigen Jahren bemühen sich auch deutsche Verkehrsbetriebe angestrengt, das schlechte Image ihrer Verkehrsmittel Bus, Bahn und Schiff in der Öffentlichkeit zu verbessern. Heutzutage bieten öffentliche Verkehrsmittel doch größtenteils folgendes Bild: Überfüllung, unbequeme (gelegentlich gar von Randalierern aufgeschlitzte) Sitzbänke, veraltete Technik und triste Innenausstattung, die dem Auge keine Abwechslung bietet. Nicht von ungefähr ziehen viele Menschen einen Mercedes dem Bus vor...

Zwar versucht der ÖPNV mit biederen Werbe-Aktionen (Plakate an den Innenscheiben und Haltestellen) an das Umweltbewußtsein der Bürger zu appellieren und die (evtl. nach Parties angeheiterten) Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen - doch der Erfolg ist, seien wir ehrlich, mehr als bescheiden. Weiterhin stauen sich Blechlawinen in den Innenstädten (gerade jetzt zur Weihnachtszeit), weiterhin nimmt die Zahl der Verkehrstoten dramatisch zu und die Zahl der Parkplätze ab. Staatlich-autoritäre Maßnahmen wie beispielsweise die flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen oder auch PKW-freie Bereiche in den Cities sind, da willkürlich erscheinend verordnet und für den Mann in der Straße nicht nachvollziehbar, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Statt den Benutzern das geschätzte Gefährt madig zu machen, sollte der ÖPNV endlich attraktiver gemacht und grundlegend an den wahren Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtet werden.

Unser Unternehmen wickelt seit 1973 die Finanzierung verschiedenartigster und innovativer Großprojekte in aller Welt ab. In den letzten Jahren gestalteten sich dabei besonders unsere Aktivitäten auf dem Sektor der komfortablen Personenbeförderung erfolgreich. So organisierten und finanzierten wir u.a. in Bahrein und Saudi-Arabien den umfassenden Aufbau eines dichten Netzes luxuriöser und fahrgastfreundlicher Fahrzeuge.
Wir stellten dabei diversen Betrieben eigens von uns entwickelte Komfort-Anhänger zur Verfügung, die sie einfach an die bereits vorhandenen Busse koppelten und damit für ein angenehmes Reiseklima auf allen Strecken sorgten. Dieses Angebot wurde enthusiastisch aufgenommen, und öffentliche Verkehrsträger wurden schlagartig salonfähig. Innerhalb kürzester Zeit entwickelten sich diese Verkehrsmittel zum prestigeträchtigen Treffpunkt moderner Menschen und wurden damit praktisch das eigentliche Zentrum des öffentlichen Lebens. "Man sieht sich - im Bus!" war ein geflügeltes Wort unter den Bürgern.

Wahlweise enthielten die Komfort-Anhänger, je nach Modell, ein breitgefächertes Angebot an Zerstreuungen und Unterhaltung für jeden Geschmack. Die Palette reichte von gut sortierten Bibliotheken, Bowling-Bahnen, finnischen Saunen, Tennisplätzen über Schwimmbassins und Spielhallen bis zu kompletten Kinozentren, Bordellen, Moscheen, Konzertsälen (getrennt E- und U-Musik) und Spielcasinos (à la Las Vegas). Wie Sie sehen, blieb kein wesentliches Bedürfnis unbefriedigt.

Nach den durchweg positiven und lukrativen Erfahrungen im arabischen Raum (so konnten z.B. die Dubai-Verkehrsbetriebe in den Vereinigten Arabischen Emiraten innerhalb von nur zwei Monaten ihren Anteil am Verkehrsaufkommen glatt verdoppeln - ausführlichere Statistiken senden wir Ihnen gerne zu) möchten wir nun auch in Deutschland unser Konzept anbieten. Aufgrund der günstigen Lage von Augsburg möchten wir gemeinsam mit Ihnen ein exclusives Pilotprojekt ins Leben rufen.

Dabei dachten wir daran, Ihnen für eine Probezeit von einem Jahr drei unserer Anhänger (auch in der Schienenversion denkbar) zu einem Vorzugspreis zur Verfügung zu stellen. Sie müßten das Personal für die einzelnen Unterhaltungsangebote stellen und die Wartung der Wagen übernehmen. Wir erwarten von Ihnen dafür genaue Berichte über Akzeptanz, Kostenentwicklung, Statistiken der Fahrgast-Profile, Auslastung, Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb u.ä.

Sicherlich haben Sie großes Interesse an einer Kooperation, sodaß wir einer umgehenden Antwort Ihrerseits entgegensehen. Für weiterführende Informationen schreiben Sie bitte an unsere Postanschrift in Deutschland:
Michael Schmidt-Brodersen – Xxxxstraße 25 – 2300 Kiel 17.

Mit freundlichen Grüßen

  Antwort Pforzheim, Wiesbaden, Hannover, Augsburg, Düsseldorf u.a.
  Unser Antwortbrief auf die Antwort aus Pforzheim u.a.