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Petra Marwitz Esmarchstraße 64 2300 Kiel 1
An das
Bundesverkehrsministerium
Postfach
W-5300 Bonn
Kiel, den 24. März 1993
Sehr geehrte Damen und Herren,
gerade eben komme ich von einem ausgedehnten Spaziergang durch die Kieler Straßen nach Hause und kann nun nicht länger zu dem schweigen, was ich zum wiederholten Male in bezug auf die angeblich so weitgediehene Emanzipation erlebt habe.
Angenehmerweise hat die Gleichberechtigung mittlerweile in unserem Lande immerhin soweit Ergebnisse gezeitigt, daß wir Frauen in vielen Bereichen endlich Männern vorgezogen werden. Doch im Straßenverkehr kann davon noch keine Rede sein, insbesondere dann nicht, wenn man sich (leichtsinnigerweise) unmotorisiert, also zu Fuß auf den Weg macht. An jeder Straßenkreuzung das gleiche Ärgernis: von den Fußgängerampeln strahlen einem hämisch sexistisch ausschließlich männliche Signalfiguren entgegen, egal ob stehend (rot) oder bewegend (grün). Das kann so nicht weitergehen! Ich habe die Angelegenheit in meinem BekantInnenkreis besprochen und erntete einhellige Zustimmung für mein Vorhaben, etwas gegen diese unerträgliche Diskriminierung der Frau in diesem wichtigen Bereich zu unternehmen.
Deswegen wende ich mich mit der Frage an Sie, ob es wohl im Rahmen des Möglichen liegt, alternativ und ergänzend zu den Ampelmännchen auch Ampelweibchen einzuführen? Folgende Modi wären dabei meines Erachtens denkbar:
1) Auf dem Stadtplan horizontal verlaufende Straßen erhalten einheitlich weibliche Ampeln, die senkrechten behalten die althergebrachten männlichen, was im Übrigen auch der jahrtausendealten Ur-Symbolik der Menschheit entspräche.
2) Die Verteilung der Ampelfigürchen erfolgt aufgrund der Straßennamen - die Rosa von Luxemburg-Chaussee wird mit Ampelweibchen ausgestattet, während die Otto von Bismarck-Allee selbstverständlich sinnvollerweise in Elke Heidenreich-Weg umgetauft wird und ebenfalls die fraulichen Leuchtzeichen bekommt.
3) Im fortgeschrittenen Stadium der Aktion könnten auch technische Neuerungen zum Zuge kommen. Beispielsweise stellt die jeweilige Ampel durch permanentes Scanning (überprüfen des Ampelbereichs) fest, welches Geschlecht die PassantInnen haben und entscheidet dann nach der Mehrheitsmethode, ob zur Zeit die Ampelmännchen oder die -weibchen angebracht wären. Gerechter und basisdemokratischer geht es wohl kaum noch, denke ich.
Was halten Sie von diesen Vorschlägen? Ich würde mich über eine Stellungnahme Ihrerseits zu meinen innovativen Ideen sehr freuen und verbleibe mit den allerfreundlichsten Grüßen, Ihre
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