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Eßbare Videobänder

Bordell auf Rädern

52 Adventssonntage

Lange Leitung (T.kom)

Briefe 16.10.91 – 26.11.91

3.12.91 – 19.1.92

27.1.92 – 28.9.92

4.1.93 – 1.11.94

7.11.94 – heute

Texte aus dem Buch


   Vorwort
   Über uns
   Klappentext
   Kleine Lebenshilfe
   

>> Letztes Update

Vorwort

Deutschland morgens um acht. Kleine Frühstückchen fliegen durch die Luft, treffen ratlose Busfahrer und hinterlassen... wir das. Währenddessen in einer x-beliebigen Privatbehörde. Sachbearbeiter B. aus K. macht sich an die alltägliche A. Nachdem die Bleistifte akribisch an der Fünf-Meilen-Zone ausgerichtet wurden, kommen die Kugelschreiber an die Reihe. Hernach ist Schichtwechsel und Sachbearbeiter C. aus K. macht sich an die wohl vorbereitete A. des B. aus K. Er erledigt wildentschlossen die Korrespondenz. Aus einer schwer zugänglichen Ablage greift er sich den morgendlichen Briefstapel zur näheren Bearbeitung.

„Mahnung... Werbung... Einberufung... Gewinnbenachrichtigung... Zuneigung... holla, was ist denn das? Das sieht ja interessant aus”, so seine Gedanken, als er zum ersten Mal am Morgen seine Augen wie ein Konto eröffnet. Sein Blick fiel nämlich gerade auf einen üppig frankierten Umschlag aus Kiel von der weltberühmten ATAP Consulting Immediate Solutions Inc., unterschrieben von Peter M. und Michael S.-B.. Er reißt mit fiebrigem Glanz in den Händen das Kuvert auf und zieht die Seiten des anliegenden Schreibens heraus.

„Hupps... soso... aha... hmhm... och... nö... oh... ach... hey! Endlich mal Luxusanhänger für unsere Omnibusse, die ihren Namen auch verdienen! Oh, sogar Bordelle haben die im Angebot. Wie praktisch. Da muß ich ja nie mehr zu spät nach Hause kommen.” Voller Begeisterung reicht C. die Offerte an seinen Arbeitskollegen D. weiter, der ihm gegenüber die Stempelflüssigkeit sorgsam überprüft. „D., wär das hier nicht was für dich?”

„Unwahrscheinlich. Du willst mir doch nur wieder einen aufbinden”, erwidert D. zweifelnd und beginnt trotzdem zu lesen, da er grad nichts besseres vor sich hat. „Verblüffend!” ruft er emphatisch aus. „Unglaublich, schier wundersam. Wenn ich das meiner Frau erzähl. Da können wir endlich wieder was zusammen unternehmen.” In das Staunen des C. hinein fallen D.s klärende Worte: „Tennis war schon immer unsere Leidenschaft. Das gebe ich gleich mal weiter an E., Du weißt schon, den mit dem Bart, unseren Abteilungsleiter.”

E. ist gerade wieder einmal im Betrieb und nimmt das Schreiben zur Kenntnis. „Soso… wer hätte das gedacht… Ja, da haben Sie ganz recht, Untergebener D., die Schwimmbäder wären ganz in meinem Sinne. Dann wird unsere Verkehrsanstalt endlich wieder flüssig!” Sagt’s und gibt das Angebot an seinen Vorgelegten F. weiter. F. runzelt ob der Idee, die ihm gleich einfallen wird, telegen die Stirne. „Ah ja. Es bliebe in Betrachtnahme zu ziehen, daß die Dillinger mit ihren Luxusanhängern ganz schön baden gegangen sind damals...”

„Hmhm”, übergeht E. seinen treffenden Einwand und wendet sich wieder dem Brief der ATAP Consulting zu, um F. doch noch rumzukriegen. „Schauen Sie nur, da gibts auch eine Betriebsklimaanlage in allen Wagen. Da könnte der Betriebsrat doch auch mal ein wenig mitbestimmen.” „Da haben Sie ja mal recht. Gut gemacht”, lobt F seinen E. gütig.

Voller Tatendrang verläßt F. das Gebäude und fährt mit der Straßenbahn auf die andere Straßenseite, wo der zeichnungsberechtigte Vorstandsratsmitgliedsvorsitzende in einer Konferenzpause vor seiner Staffelei sitzt. In seiner besinnlichen Würde gestört, dreht er sich etwas mißmutig zum hereinkriechenden F. „Sie kenn ich doch”, versucht G. Konversation zu treiben. „Haben Sie nicht mal für uns gearbeitet? Hatten wir Ihre Abteilung nicht längst aufgelöst?” „Aber Chef...”, stammelt F. betreten, „ich bräuchte hier kurz Ihre werte Unterschrift, Herr... öh...” G. zeigt sich kulant: „Jaja, na klar. Wenn Sie mal eben halten wollen...”

Bevor F. nach erfolgter Unterschriftsleistung gleich wieder entschwinden kann, wird er noch einmal zurückgepfiffen. „Äh... worum ging’s da überhaupt? Nur so als Verständnisfrage...”, hakt G. nach. F. antwortet ungewohnt schlagfertig: „Ja, sehen Sie hier, ganz tolle Sache, Chef. Busanhänger mit allem Drum und Dran und Pipapo.” „Das hat uns ja gerade noch gefehlt. Aber...”, unheilschwanger lastet das Schweigen über den Hallen, als G. tief Luft holt, „... haben die Dinger denn auch... Aschenbecher?!?!?” F. schluckt unsicher, wankt von einem Bein aufs andere, sagt dann jedoch geistesgegenwärtig: „Jaja, klar, sicher doch. Aschenbecher. Logisch. Höhöhö...” G. ist beruhigt: „Dann ist die Sache ja geritzt, F. Da sag noch mal einer was gegen meine Einfälle, hm??” „Neinnein, ich wär der Letzte...”, erwidert F. zweideutig.

Um die volle Provision einzustreichen, fährt F. gleich wieder rüber ins Haupthaus und kommt nach nur 20 Minuten Wartezeit in die Schreibstube. „Ich komm gerade aus der Chefstube, Schreiber H.”, erklärt er, „und der Chef sagt: Schreib einen Brief an die verehrten Herren von der ATAP Consulting. H., schreib den Herren folgendes: «Sehr geehrter Herr S.-B., vom Grundsatz her sind wir an weitergehenden Informationen interessiert und bitten um Kontaktaufnahme. Mit freundlichen Grüßen...», na ja, und dann den üblichen Kram eben. Schwer gezeichnet von Dr. S.. Schicke Er es baldigst mit der nächsten Post an umstehende Adresse. Und bringe Er mir einen Tee ins Büro, aber diesmal das Wasser vorher erhitzen...”


Lieber Leser – so oder ähnlich stellen wir uns in unserer bornierten Einfalt eine typische Reaktion auf unsere Nonsens-Briefe vor, die wir in den letzten Jahren auf alle möglichen wehrlosen Firmen, Behörden und sonstige Trägerschaften losließen. Manche unserer „Opfer“ haben bei ihren Antworten besonders viel Humor walten lassen, andere waren wahrscheinlich so verblüfft, daß sie das Antworten darüber ganz vergaßen. Auf jeden Fall gilt allen Unternehmen, die auf unsere Scherze eingingen, unser herzlicher Dank, allen voran Teekanne, TDK, den Grünen und der Oberpostdirektion Kiel. Überhaupt: was wären wir ohne die Post…

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr persönliches Autoren-Team.